Die Zahlen sind gut

für mein heutiges Flaschenpost-Bingo! So dachte ich, als ich mir heute Morgen die Gezeiten, Wind- und Wellenvorhersage anschaute:

(Screenshots: wisuki.com)

Ablaufendes Wasser zum geplanten Nachmittagsspaziergang am Strand: Passt. Windrichtung Ost bis Nordost: Passt. Windstärke 3 bft: Passt. Wellen 0,3 m mit Periode 11 Sekunden: Passt. Aber das “Bingo!” habe ich da noch zurückgehalten. Muss ich erst mit eigenen Augen sehen. Passend zur Windvorhersage habe ich diesmal eine leichte Flasche gewählt.

Wie sieht’s aus? Also so von oben aus den Dünen: Passt. Die Nordsee ist ausnehmend ruhig. Aber auch jetzt ist noch nicht der richtige Zeitpunkt, um “Bingo!” zu rufen.

Es hat ja auch keine Eile. Ich habe alle Zeit der Welt, es sind auch nur wenige Menschen am Strand unterwegs. Also zunächst mal eine Weile am Spülsaum spazieren und mir die Bewegung in der Nordsee anschauen.

Spiegelglatt ist es nicht, da sind viele kleine und zwischendurch auch mal größere Dünungswellen unterwegs. Mitzählen: 21, 22, 23, 24 … stopp – nochmal: 21, 22, 23, 24, 25, 26 … stopp. Ich habe noch einige Male gezählt, aber Periode 11 Sekunden stimmte so gar nicht. Die Zeitabstände zwischen den Wellen waren deutlich kürzer und unregelmäßig. Aha! Das bedeutet, dass der Wind die Flasche nach Einwurf ca. 60 Meter rausdriften muss, damit sie über die kritische Schwelle der Sandbank kommt und dann Fahrt auf die offene See nehmen kann.

Buddel Nr. 157 erst in Szene setzen für ein Abschiedsfoto und dann mit einem weiten Wurf in die Nordsee. Nun ja, genau zu diesem Zeitpunkt kommt es zu leicht kabbeligen kleinen Dünungswellen, die nicht mehr gleichmäßig laufen, sich teilweise überholen, kurz hintereinander brechen … Die Buddel kämpft im Bereich von 20 Metern vor dem Spülsaum. Der Wind ist zu schwach, um ihr den nötigen Schwung zu verpassen. Letztendlich wird sie wieder angespült.

Also noch eine Weile warten, die Wellen genau beobachten. Ich erwische eine ruhigere Phase, als die Buddel wieder eintaucht. Zentimeterweise driftet sie in die richtige Richtung. Ich warte noch eine ganze Weile – zum Glück keine größeren Dünungswellen in Sicht. Also erstmal den Spaziergang am Strand fortsetzen.

Eine Stunde später kann ich sie auf dem Rückweg tatsächlich nochmal erspähen: Sie wird langsam gedriftet, ist aber über den kritischen Teil von 60 Metern hinaus. Dann sollte einer Reise nichts mehr in den Weg gespült werden :-) Bingo und Farewell!

Überraschung

Hurra, da liegt eine Flaschenpost am Strand! So richtig auf dem Präsentierteller, unübersehbar.

Habe ich endlich die erste richtige Flaschenpost in meinem Leben gefunden?! Ups, … die kenne ich doch … das ist die Buddel, die ich vor 1,5 Stunden ungefähr 100 m weiter von hier ausgesetzt habe. Ziemlich hektisch, ungefähr die Stelle neben der Buhne angepeilt, wo ich die Rippströmung vermute. Schnell hinein damit, weil sehr viele Leute am Strand unterwegs sind. Und genau DAS ist es, was mich wirklich überrascht: So viele Menschen, die daran vorbeigelaufen sind in den letzten anderthalb Stunden und niemand hat sie aufgehoben.

Was ist los? Sind Flaschenposten im digitalen Zeitalter tatsächlich so uninteressant geworden? Selbst wenn es eine leere Flasche, also Müll, gewesen wäre. Ist die Gleichgültigkeit mittlerweile so groß, dass man sowas nicht aufhebt und im nächsten Mülleimer entsorgt? Ich bin tatsächlich überrascht.

Aber vielleicht liegt es ja auch an der Flasche … sie ist nämlich sehr anhänglich. Gestern wollte ich schon einen Versuch mit ihr starten, gerade als die Sonne für einen Moment durch das nasse Grau durchblitzte. Doch die Dünung war zu stark und der gewünschte Abwurfplatz war durch Angler belegt. So habe ich sie an anderer Stelle eingeworfen und kurze Zeit später auch wieder eingesammelt. Keine Chance bei den schnell aufeinander folgenden Wellen. Obwohl ich diesmal strömungstechnisch extra eine schwere (U-Boot) Flasche gewählt hatte.

Nun heute bei einsetzender Flut und in der Dämmerung der dritte Versuch. Aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Vielleicht hat es Buddel Nr. 156 auch darauf angelegt :-)

Gute Reise und der Wunsch für einen Finder, der sich darüber richtig freuen kann!

Wie aufregend!

Nach so langer Zeit endlich wieder eine Flaschenpost aussetzen … Ich war total nervös, hektisch und chaotisch – so gingen schon die Vorbereitungen leicht daneben. Habe vergessen, den Brief zu fotografieren. Da jeder Brief ein Unikat ist, werde ich in einigen Jahren nicht mehr wissen, was ich darin geschrieben habe. Dann habe ich die Kamera vergessen, um noch schöne Abschiedsfotos zu schießen. In der “Not” musste die Handykamera einspringen. Ja, so kann’s gehen, wenn ich vor Freude aus dem Häuschen bin … :-)

Dabei war das Aussetzen von Buddel Nr. 155 am Strand entgegen aller guten Voraussetzungen – suboptimal, wie es so schön heißt. Völlig falsche Windrichtung, starke Dünung vom Atlantik mit ziemlichen Wellen in der Brandungszone der vorgelagerten Sandbänke. Von der Logik also: Lass es, macht keinen Sinn. Und doch war da so ein Bauchgefühl, nachdem ich einige Zeit am Strand spaziert bin. Ich kenne diese Ecke sehr gut und weiß, dass es von hier auch schon Flaschenposten unter schlechten Bedingungen sehr weit geschafft haben.

Zwei Faktoren will ich mir zunutze machen: Den Sog der Ebbe, der um 15:15h noch ausgeprägt ist und die starke Rippströmung zwischen den Sandbänken und Buhnen. Für menschliche Schwimmer kann sie äußerst gefährlich werden – für meine Flaschenpost ist sie ideal, um sehr schnell rausgezogen zu werden.

Ob das geklappt hat? Keine Ahnung … Nach dem Einwurf habe ich sie noch gesehen, wie sie über einen Wellenkamm geschaukelt ist und dann war sie verschwunden. Habe noch eine Weile gewartet, aber sie ist weder aufgetaucht noch angespült worden. Vielleicht wurde sie später von Spaziergängern gefunden. Vielleicht hat sie aber tatsächlich geschafft, raus in die Nordsee zu kommen. Wer weiß das schon?! Gute Reise (egal, wie lang) und glückliche Finder!

Fundmeldung!

Eine sehr junge Finderin mit Argusaugen! Denn die kleine Flasche Nr. 52 war sehr gut versteckt – und hat gut 4 Jahre auf die richtige Finderin gewartet :-) Als die erste sehr, sehr nette SMS kam, konnte ich auf dem Bild im Hintergrund nur ahnen, dass es vielleicht an der Elbe sein könnte. Denn da war noch keine Nr. angegeben in der SMS. Doch Noée hat meine Frage danach sehr schnell beantwortet :-) Ja, es war die kleine Nichtschwimmer-Buddel, die ich am Elbufer versteckt hatte.

Sehr erstaunlich, ich hatte das Fläschchen schon längst abgeschrieben und war überzeugt, dass es längst entdeckt und entsorgt worden war. Aber da sieht man mal wieder, dass selbst stark frequentierte Plätze ihren Reiz haben. So viele Menschen, die nur oberflächlich die Umgebung wahrnehmen. Da muss schon ein spezieller Mensch kommen, der sich für alles interessiert und neugierig und mit wachem Blick die Gegend erkundet.

Herzlichen Dank für die wunderschöne Fundmeldung, ich freue mich riesig! :-)

Fundmeldung!

Manche Flaschenpost nimmt sich einfach ein bisschen mehr Zeit, um den richtigen Finder auszumachen. So geschehen mit meiner Buddel Nr. 89, wo ich heute eine überaus nette Fundmeldung bekommen habe. Zunächst mal musste ich selbst schauen, wann und wo ich die Flasche ausgesetzt hatte.

Und damit kamen die Erinnerungen wieder hoch und ich konnte mich genau hineinversetzen in den Tag, als ich den Flaschenpostbrief geschrieben habe. Die Gedanken zu dem Brief, der Blick auf die Umgebung, ja ich konnte die ganze Atmosphäre wieder spüren. Wobei dann noch einige Zeit vergangen ist, bevor ich die Flasche auf den Weg gebracht habe. Anlass war ein schönes Treffen mit Freunden, wo wir dann spontan einen Mini Splashmob geplant haben. Der gemeinsame Tag an der Elbe am 1. Oktober 2016 … es kommt mir vor wie gestern.

Nun, die Flaschenpost ist nicht sehr weit gekommen. Vom Stover Strand bis nach Drage, nur einige Kilometer flussabwärts in der Elbe. Doch sie hat sich einen besonderen Finder ausgesucht und deshalb wohl auch lange Zeit versteckt, wie ich bei dem Bild des Fundorts vermute.

Ganz herzlichen Dank für die überraschende Fundmeldung von Nr. 89, ich freue mich riesig darüber!

Dann doch lieber Meerglas suchen

Nach dem gestrigen Erlebnis mit dem Marmeladenglas habe ich mich lieber wieder auf das Sammeln von Meerglas konzentriert. In der letzten Woche hatte ich Begleitung beim Suchen. Das erklärt auch die großen Mengen an Fundstücken – vier Augen sehen eben mehr als zwei.

Nun bin ich allein unterwegs und die Ausbeute ist kleiner. Aber es sind immer noch sehr schöne Scherben dabei, vor allem eine Farbvielfalt.

Meine erste Flaschenpost?

Mein Leben lang schon auf der Suche – und dieses Glas hat meine Begleitung am Strand gefunden, als ich gerade davon erzählte, wie gern ich doch meine erste Flaschenpost finden würde …

Keine Flasche, aber ein Glas mit Inhalt. Es gluckerte innen. So vom Äußeren sah es ziemlich verkokelt aus und war mit ganz vielen Lagen Klebestreifen umwickelt. Auf dem langen Rückweg hielt sich meine Vorfreude in Grenzen – ich dachte darüber nach, ob es vielleicht eine Urne mit Inhalt sein könnte …

Auf dem Müllcontainer abgestellt und erstmal ein Foto gemacht. Dann fing ich an, Schicht um Schicht des transparenten Klebebands abzuwickeln. Irgendwann war ein Eckchen des Aufklebers frei: Ursprünglich enthielt dieses Glas Aprikosenmarmelade, wie die italienische Beschriftung verriet. Doch irgendwie wurde mein Gefühl mulmiger.

Je mehr Schichten ich abwickelte, desto mehr roch es nach Verbranntem und ein Schwefelgeruch wurde stärker. Kurz vor den letzten Streifen kam ein weiterer beißender Geruch hinzu … Nee, muss ich nicht haben. So neugierig bin ich nicht, um dieses Glas zu öffnen. Das Kopfkino bereitete mir in der Geruchskulisse schon Horrorfilme. Ich habe das Glas ungeöffnet in den Müllcontainer geworfen.

Meine erste Flaschenpost, die ich hoffentlich noch in diesem Leben finden werde, stelle ich mir ganz anders vor …

Flaschenpost-Bingo

fällt diesmal wohl komplett aus. Eine wichtige Komponente spielt nicht mit: der Wind. Und das merkt man sofort, wenn man vor die Tür geht. Da fehlt doch was? Zwischen Windstille und einem Windhauch – und dieses Etwas dreht sich ständig in der Richtung. Sehr ungewöhnlich für die Küste, vor allem auch für eine Zeitspanne über mehrere Wochen. So die Wetterprognose unterschiedlicher Dienste. Aber Flaschenpost-Bingo ist bekanntlich ein Spiel, vielleicht erwische ich ja noch einen Joker.

Aha …

Ein Spaziergang an einem anderen Strand – und die Ausbeute ist wie gewohnt in den letzten Jahren. Die Fundstücke kann man an einer Hand abzählen – und die Hälfte davon ist noch viel zu jung. Dafür gab es als “Trostpflaster” aber ein wunderschönes Exemplar einer Wellhornschnecke, die fast perfekt erhalten ist.